Das sardische Handwerk ist sicher eines der typischsten Elemente der Insel und ihrer Bewohner. Die Ursprünge der sardischen Volkskunst sind uralt: am Anfang wurden vor allem Gegenstände für den Hausgebrauch oder schmückende Gegenstände produziert. Das Handwerk hat sich im Laufe der Zeit mit dem Einfluss der beherrschenden Bevölkerungen entwickelt. Es hat aber nie seine Ursprünge verloren. Die Produkte haben sich an die Arten und Farbtone angepasst, die von den modernen Geschmäcken oder von den aktuellen zweckmäßigen Notwendigkeiten beeinflusst sind. Es fehlt aber nie der Zauber und die Originalität, die von jener eleganten und „rustikalen“ alten sardischen Kultur kommt. Das sardische Handwerk besteht also einerseits aus Gegenständen für die Einrichtung, wie den Möbeln in antikem Stil, der häuslichen Ausstattung, den Steinskulpturen, der Weberei, der Keramik, den dekorativen Körben und dem Schmiedeeisen und anderseits aus kostbaren Messern, Lederwaren, Schals und den berühmten Juwelen.
Man produziert Decken, Teppiche, Wandteppiche, Satteltaschen mit einem bemerkenswerten Reichtum der Zeichnungen und einer Vielfältigkeit der Farben und auch traditionelle Kostüme, Schals und Kopfbedeckungen, deren Hauptmerkmal, traditionelle schmückende Muster, die nur zum Teil erneuert sind, zu reproduzieren ist. Die rustikalen Holzwebstühle weben die Wolle, die von den Herden der sardischen Schafen herkommt. Andere Materiale für die Weberei sind die importierte Baumwolle, das Leinen, das vorher in Sardinien angebaut wurde, die Seide, deren Raupe auf der Insel gezüchtet wurde und die Ziegenwolle.
Die Farben wurden aus Pflanzen und Mineralien erhalten und sie waren zuverlässiger als die synthetischen Farben, weil sie fest sind und eine bessere Qualität haben.
Das älteste Gewebe Sardiniens ist das Orbace, ein Gewebe aus Wolle. Es war das berühmteste Produkt der Weberei bis zum XIX. Jh. Es war ein Hauptelement der traditionellen Bekleidung der Sarden und war verschiedener Qualität nach dem Gebrauch und der Sozialschicht der Menschen. Dank seiner Undurchlässigkeit war das Orbace benutzt, um die Decke „su saccu de coberri“ zu verpacken. Diese Decke wurde von den Hirten als Mantel oder Zelt benutzt.
Nennenswert sind die filèt di Bosa (die Stickereien, die das Ergebnis einer ausgezeichneten Fähigkeit sind und deren Ursprünge auf eine Legende zurückgehen). Beim Sticken ragt auch Teulada (Cagliari) hervor, wo man den berühmten punto Teulada benutzt. Der Punto Teulada dient dazu, kostbare Tischdecken, Teeservices, Vorhänge und Handtücher aus Leinen und Baumwolle zu sticken.
Im Bereich der Weberei sind die Teppiche von Mogoro und Samugheo (Oristano), Villamassargia (Cagliari), Dorgali, Sarule und Isili (Nuoro), Villanova Monteleone, Bonorva, Nule und Aggius (Sassari) sehr berühmt.
Rhomben, Blumen, Vögel, Wildschweine, Weintrauben sind nur einige Zeichnungen der Teppichen, Wandteppichen und Decken. Die Zeichnungen sind vielfarbig oder in Relief. Die Decken sind oft weiß, und zwar haben sie die Naturfarbe der Wolle mit Blumen- und geometrischen Zeichnungen. Die Farben und die schmückenden Muster sind anders bei jeder Zone.
Die Gewebe können so unterschieden werden: a pibiònis, mit Schussfaden und Kette aus Baumwolle; a briàli oder a bagas, mit Schussfaden aus Baumwolle und Wolle und a punt’e agu mit Schussfaden aus Baumwolle und Wolle und Kette aus Leinen.
Für das Sticken der Schals sind die Frauen von Oliena und Dorgali (in Barbagia) und von Villanovaforru (in der Nähe von Cagliari) spezialisiert: die Blumenmuster sind die schönsten. Sie sind mit Goldfäden und Perlen verziert. Seit wenig Zeit wird die verknotete Weberei benutzt. Früher wurde sie in Dorgali und dann in Zeddiani und Nuoro benutzt. Sie ist anders als die traditionelle, weil die Zeichnungen und die Themen moderner sind.
Unter den vielen Tätigkeiten, die die sardischen Frauen im Laufe des Tages ausüben, gibt es sicher das Sticken.
Die Frauen nähten und stickten verschiedene Gewebe für die Aussteuer oder für die sardische Bekleidung nicht nur mit Faden und Seide, sondern auch mit Gold und Silber. Die Blusen des traditionellen Kostüms waren mit Stickereien und Spitzen gestickt. Alle Stickereien des Kostüms machten es kostbarer.
Unsere Informationen über die Arbeitsmethoden, die benutzten Materialen, die Dekorationsstile, die Hersteller, den Käufer und das Vorhandensein eines Marktes des Stickens gehen auf das XX Jahrhundert zurück.
Das Schnitzen des Holzes ist vor allem in Barbagia berühmt. Von seiner Bearbeitung erhielt man Truhen, die die Aussteuer bewahrten. In der Vergangenheit waren sie die einzigen Möbel der sardischen Wohnungen. Die Schnitzereien hatten die Forme der Tiere wie Vögel und Pferde, der Blumen und der abstrakten Symbole. Man produzierte auch Betten, Wiegen, Tafeln und das Regal für die Tische („su parastaggiu“). Zu nennen ist auch der mit Flechtwerk bespannte Stuhl aus hellem Holz, der in Mogoro produziert wurde. In Assemini wurde er hingegen mit den Farben des Granatapfelbaumes (rot und grün) verschönert. Einfach, praktisch und Dekorationslos sind die Stühle und die Möbel, die in Orosei mit Flechtwerk bespannt werden. Ein anderer Stuhl katalanischer Herkunft war in den Wohnungen der Prominenzen dabei. Er hatte eine hohe mit rot oder blau oder grün und golden lackierte geschnitzte Rückenlehne.
Man produzierte auch einfachere Gegenstände, wie Küchengeräte (tallèris, turras, pàlias de forru und cullèrasa), die Kreisel oder die Miniaturnachbildungen der von den Ochsen gezogenen Wagen, die von den Handwerkern hergestellt wurden. Sie sind Meister der Ziselierarbeit trotz der bescheidenen Erklärung als linnarèros.
Die Sarden haben seit dem Altertum Terrakotten ausgezeichneten ästhetischen Werts mit Eleganz und Funktionalität hergestellt. Die Ursprünge gehen auf das Neolithikum zurück (VI Jahrtausend v. C.). Der Herstellungsort war der typische Hof des Hauses von Campidano. Dort gab es den Schacht für die Ausbaggerung des Tons, das Lager für die Rohstoffe, die Wannen für die Rühmung und das Schleifen, den Ofen, das Wetterdach für die Trocknung der Töpfe und die Ecke, wo es die Drehbank gab.
Das Handwerk der Keramik wurde modernisiert aber hat seine Identität nicht verloren. Die bedeutungsvollsten Spuren sind sichtbar, wenn man die weißen Majoliken von Cagliari, Cebras und Sassari, die Teller und das Geschirr mit zarten Farbtönen von Assemini und Sassari und die naiven Skulpturen aus Emailterrakotta von Siniscola betrachtet.
Es werden vor allem die religiösen Gegenstände - Weihwasserbecken, Osterpalmen - oder Gegenstände, die von der Folklore und der Tierwelt inspiriert sind, wie zum Beispiel das Ehepaar zu Pferd, kleine Kostümstatuen, Tiere wie die Ziege, der Stier, der Esel, das Wildschwein und der Mufflon hergestellt. Manchmal werden die Gegenstände mit Pflanzensäften gefärbt und mit der großen Flamme des Holzfeuers, die die Gegenstände umzüngelt, gekocht. Berühmt sind die congiolàrgius aus Oristano, die ein System mit dem Pedal benutzen, das das Rad drehen lässt. Auf dem Rad wird der zarte Teig mit Hand modelliert, um die verschiedenen Geschirrsorten herzustellen. Der Teig wird dann in eigenen Öfen gebackt.
Eine andere komische Information ist die folgende: die Braut hatte eine Aussteuer, die aus Gegenständen aus Terrakotta bestand: den Kannen (marigas) für den Transport und die Bewahrung des Wassers, den Tonkrügen (brugnas) für die Bewahrung der Nahrung, den Becken (sciveddas) für die Bearbeitung der Nudel, dem Nudelsieb, den Tellern, den Schüsseln und den Töpfen.
In Sardinien, wie bei den ältesten Kulturen, bevor der Stein Gerät wurde, war er Kultobjekt, wie tausende megalithische Denkmäler der Insel zeugen. Die Geschicktheit zu seiner Anwendung als Baustoff ist seit 3000 Jahren durch etwa 7.000 Nuraghen, heilige Brunnen und Riesengräber belegen. Ein wunderbares Kunstbeispiel ist die figurina di Senorbì, die die Göttin „mediterrane Mutter“ darstellt und die auf 2000 v. C. zurückgeht. Nur in Gallura sind etwa 200 Steinbrüche aktiv. Die rohen Blöcke der Steinbrüche sind von den Handwerkern und den Künstlern bearbeitet. Sie werden vor allem für die Belegungen, die Baufeinbearbeitungen und die Stadtausstattungen benutzt. Viele Gebäude in Italien, Europa, Amerika, Japan werden mit dem sardischen Granit fein bearbeitet. Dieser kostbare Stein, „graues Gold“ dank seiner Qualität genannt, wird oft für die Innenausstattung benutzt. In den Werkstätten von Tempio, Siniscola, Iglesias, Sorgono, San Sperate, Cagliari und Sassari hat die Kreativität der Handwerker zusammen mit der Anwendung des Stockes und des Meißels Tafeln und Sessel, Paneele und Lampen, Statuen und Nippsachen hergestellt, die mit den Äderungen oder den Flecken des Steines verziert werden.
Besonder ist auch die Kunst des Flechtwerkes: schöne Körbe (corbule) haben verschiedene Forme und einfache Zeichnungen, die mit der Verwendung der Teilen der Rinde mit verschiedenen Farben gemacht werden. Im Gebiet von Oristano haben die Küstenorte eine typische Produktion von Matten und Körben, die aus dem Geflecht der Sumpflanzen erhalten werden; in Sinnai, in der Nähe von Cagliari, produziert man hingegen Körbe aus Binsen, die mit gestickten Geweben verziert werden.
Aus dem Asphodelus erhält man die wunderbaren Körbe und corbule (für die Bewahrung des pane carasau geeignete Körbe). Sie werden vor allem in Ollai (Barbagia) und in Planargia, in der Nähe von Bosa, hergestellt: in den Dörfern Flussio, Suni, Montresta kann man nämlich zahlreiche Produkte dieser Kunst betrachten.
Die Produktionstechniken sind verschieden. Im Gebiet von Campidano, in Sinnai, Maracalagonis, S. Vero und Millis wickelt man das Weizenstroh auf ein Binsenbündel oder Strohbündel und erhält man so eine Spur, die schraubengenäht wird. Man produziert so einen Glockenbehälter, der mit ähnlichen Stoffen, mit roter oder schwarzer Baumwolle oder mit Damast auf dem Boden dekoriert wird. In Planargia, in Flussio, Montresta und Tinnura, und in Barbagia (Olzai und Ollolai) wickelt man hingegen den Asphodelus. Er wird ausgetrocknet und streifengeschnitten und hat außen eine dunkle Farbe und innen eine hellere Farbe. Die Korbmacherinnen können also elegante Dekorationseffekte dank dem Wechsel zweier Naturfarben bilden. In Romangia, in Sennori und Sorso, und in Anglona (Castelsardo und Tergu) werden vor allem die Raphia und die Zwergpalme benutzt. Diese Vegetation war in Sardinien verbreitet aber jetzt ist sie rar und ist genau wie die mediterrane Macchia geschützt. In diesem Gebiet werden bunte und abstrakte Zeichnungen gemacht, die viel Erfolg gehabt haben.
Schließlich, werden Weide-und Rohrbehälter von den Bauern und Hirten für Landgebräuche verpackt.
Die Tradition der Bearbeitung der Metalle ist uralt.
Heute ist das Eisen für die Herstellung dieser Gegenstände benutzt: Sporen und Kandaren für die Pferde, Stahlklingen, die besten Messer der Welt, die sogenannten Leppas mit schmaler Klinge und Griff aus Hammelhorn oder Hörnen aus Mufflon, Spieße, Roste, Tiere, Geländer, Gitter, Leuchter, Messer für das Hausgebrauch, Schnitzwerkzeuge und Landgeräte.
Das Kupfer wurde hauptsächlich bearbeitet. In den sardischen Wohnungen war es nicht schwer, Heizkessel aus Kupfer oder Kohlenbecken mit dem Rand aus Messing zu finden. Vor allem in Isli gab es Fachmänner für die Herstellung des Kupfers.
Zu nennen sind auch die Gegenstände aus Schmiedeeisen (Werkzeuge für das Haus, Träger für Vorhänge, Gitter und so weiter).
Eine Handwerkstätigkeit, die für ihre Einfachheit und für den benutzten Rohstoff die Echtheit der Insel gut darstellt, ist die des Korks. Aus dem Kork erhielten die Dachziegel für die Häuser und die Behälter, wie die für die geronnene Milch und den Quark, die Servierbrette für den Braten, die Salzgefäße und die Behälter für Getreide und Hülsenfrüchte. Heute werden Aschenbecher, Vasen, Services aus Keramik, die mit Blättern aus Kork verkleidet sind, und die kostbaren Korken für die Flaschen der ausgezeichneten Weine der Insel hergestellt. Die Hauptstädte des Korks sind Gallura und Calangianus, die für die Herstellung des Korks technologisch spezialisiert sind. Die Korkherstellung spielt eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes.
Das verbreitete Interesse für die Pferde hat die Lederwarenkunst charakterisiert. Sättel, Zügel und Schäfte sind mit Geschicktheit in Santulussurgiu, in Quartu Sant’Elena, in Orzieri und in Pula hergestellt.
Neben den Lieferungen für das Reiten haben einige Handwerker begonnen, Teppiche und Verpackungen aus Leder herzustellen. In Monserrato und im Gebiet von Oristano gerbt man Ziegenleder und Lammleder, die genäht werden, um Teppiche für die Einrichtung der Kinderzimmer zu produzieren. In Barbagia werden umgedrehte Ziegenleder benutzt, um warme Jacken wie die typische mastruca zu modellieren. Neben der Qualitätslederwaren gibt es auch eine Produktion, die für den Markt der Souvenirs bestimmt ist. Es handelt sich um Gegenstände, die kalt dekoriert werden: Taschen, Gürtel, Geldtaschen, Notizbücher und so weiter. Diese Gegenstände sind ähnlich wie die Produkte, die in allen touristischen Orten des Mittelmeeres von den Marokkanern verkauft werden.
Das Metall, das die Sarden meistens benutzten, war das Silber, weil es von den sardischen Bergwerken gefördert wurde. Die ältesten Werkstätte von Silberschmiede entstanden in Cagliari, Sassari, Oristano, Nuoro, Iglesias. In diesem Jahrhundert hat sich die Verwendung des Goldes verbreitet. Das Gold wird zusammen mit Halbedelsteinen, wie Granaten, Türkisen und Karneolen, benutzt.
Verbreitet ist die Herstellung der Juwelen, die dazu dienten, das sardische Kostüm während der Festen und der Hochzeiten zu verschönern. Am Anfang waren die Schmuckstücke nur aus Silber, jetzt hat sich ihre Herstellung mit neuen Formen entwickelt, die von einer neuen Interpretation der klassischen Zeichnungen der Vergangenheit herkommt.
Die berühmten Silberschmiede von Cagliari haben kostbare Schmuckstücke von XIV bis zum XVIII Jh. hergestellt. Einige Beispiele sind im Schatz des Doms von Ales in der Provinz von Oristano (das Kreuz und der Reliquienbehälter) und im Dom von Cagliari (Ölamphoren) gesammelt. Die Silberschmiede von Cagliari hatten viele Vorrechte, die die anderen Handwerker nicht hatten und sie haben auch Spuren ihrer Wichtigkeit in der Stadttoponomastik gelassen. Der sardische Ehering ist berühmt und auch der Karneol von Nuoro, d.h. der Ring mit dem roten oder grünen Karneol. Der Kopf eines Kriegers ist auf dem Ring behaut.
Die sardischen Juwelen sind auch mit der Koralle verziert, d.h. mit dem sardischen roten Gold, deren Qualität besser als die der anderen Korallen der Welt ist. Bosa, Santa Teresa und Alghero sind die wichtigsten Korallenproduktionszentren.
Auch wenn Sardinien reich an Kieselsande ist, war die Glaskunst in der Region nicht so wichtig. Die Glasarbeiter, die auf der Insel Gläser, Flaschen und Behälter herstellen, sind also rar. Verbreitet ist das Glasmosaik, das für die Verblendung der Wände und der Boden bestimmt ist. Man benutzt Stücken, die mittels des Pressens des dickflüssigen transparenten, glanzlosen und undeutlichen Glases produziert werden. Zu nennen sind die Emaile, die in Assemini, Oristano, Cagliari und Sassari benutzt sind, um Metalle und Keramiken mit der Technik des Tauchens und des Spritzers zu dekorieren. Die Handwerker von Cagliari, Sassari und Pirri produzieren undeutliche Gläser, die mit der Schleifmaschine oder mit der Säuere eingeschnitten sind. Sie sind satiniert und die Oberfläche ist oft mit Farbstoffen oder mit Verbindungen aus Metall bereichert. Die aktuellen Produkte sind modern: Mosaiken, Paneele für Türen, Wände und Fenster, Leuchter, Flaschen, Gläser, abat-jours, Nippsachen.