Festtage und Traditionen

Sardinien, eine Region, die alte Ursprünge hat, ist traditionsgebunden, vor allen an die religiösen Traditionen. Jeden Jahresmonat werden Feste in irgendeinem Dorf der Insel veranstaltet. Man feiert aber vor allem in der Zeit vom April bis Oktober.

Wie alle Gemeinschaften, die eine Land oder Hirtenbegabung haben, ist Sardinien keine Ausnahme: das Alltagsleben war in der Vergangenheit von den Rhythmen des landwirtschaftlichen Jahres geschlagen. Von diesen Regeln des Landes und seiner produktiven Zyklen entstehen die Feste, die als Gelegenheiten für die Begegnung mit anderen Menschen oder als Gebetsmomente gehalten wurden, die das Ziel hatten, Versöhnungsriten für das Gelingen der Ernte oder gegen die Epidemien und die Hungersnöte zu machen.

Da einige Feste in den letzten Jahrzehnten nicht mehr gefeiert wurden, hat man in Sardinien entschieden, die alten Gewohnheiten aufzuholen.

 

Das Laufen der Barfüßigen, S. Salvatore - Cabras (OR)

Cabras (OR): Das Laufen der Barfüßigen Das Laufen der Barfüßigen (Corsa degli scalzi) findet am ersten Sonntag im September statt. Es geht auf 1619 zurück, als die Einwohner des Ortes das Götterbild des Heiligen Salvatore aus Anlass eines Angriffes der Mori in Sicherheit brachten. Sie liefen barfüßig und das, der Legende nach, erschrak die Sarazenen. Wegen des von den Läufern erhobenen Staubs zogen sie sich nämlich zurück, weil sie dachten, dass sie gegen eine starke und zahlreiche Armee kämpfen sollten. Seit damals wiederholt man das Laufen aus Verehrung. Die barfüßigen und Weißgekleideten Gläubigen tragen nacheinander die Holzstatue auf dem Rücken und laufen zur kleinen Kirche. Die Feiern zum Heiligen Salvatore Ehren dauern 9 Tage. Nachher am ersten Sonntag im September wiederholt man das Laufen andersherum am Nachmittag. Die Gläubigen erfüllen also ihr Gelübde.

 

Die Sartiglia - Oristano

Oristano: Die Sartiglia Am letzten Sonntag des Karnevals und am Faschingsdienstag nimmt Oristano die Sartiglia auf. Es handelt sich um ein mittelalterliches Reiterkarussell spanischer Herkunft, das nach Sardinien dank den strengen Verbindungen zwischen dem Hof von Arborea und dem Hof von Aragonien gebracht wurde. Wahrscheinlich wurde das Karussell im XIII Jh. nach Oristano gebracht. Das Karussell ist von den Gremi (einigen bestimmten Vereinigungen) organisiert. Am Sonntag ist es vom Gremio der Bauer organisiert; am Dienstag von der Vereinigung der Tischler.

Die Hauptfigur der Sartiglia ist "Su Cumponidori", der Leiter des Laufens. Eindrucksvoll ist seine Einkleidung, die dank zwei Mädchen im Kostüm auf einem Tisch gescheht. Sie ist von den Trommlern und den Klingeln der Trompete rhythmisiert. Das Ziel des Laufens ist das folgende: die Ritter mit dem von einer Maske versteckten Gesicht reiten im Galopp, um einen hängenden Stern mit einem Schwert aufzuspießen. Zahlreicher sind die Treffer, besser ist die Ernte. Der Stern hat nämlich eine Fruchtbarkeitbedeutung.

 

Der Karneval von Mamoiada (NU)

Mamoiada (NU): Der Karneval von Mamoiada In Mamoiada findet eine der wichtigsten Karnevalsveranstaltungen der Insel statt. Die traditionellen Masken sind die Mamuthones und die Issohadores. Die Mamuthores sind mit schwarzen Schaffellen gekleidet und tragen eine schwarze Holzmaske, die einen kaltblütigen Ausdruck zeigt. Auf dem Rücken und dem Hals haben sie Kuhglocken, die mit Ledergürteln gebunden sind. Diese Kuhglocken sind eigens von den Handwerkern hergestellt.

Die Issohadores tragen ein Leinenhemd, ein rotes Leibchen, weiße Hose und einen weiblichen Schal; umgehängt tragen sie Messing- und Bronzeschellen und im Hand haben sie eine lange Leine ("sa soca"), mit der sie die Zuschauer „festnehmen“. Der Karneval in Mamoiasa geht auf die alten Zeiten zurück. Die Bedeutung seines alten Rituals ist noch heute unbekannt. Nach der sichersten These ist diese Tradition an die Gefangenahme einer Gruppe von Mori gebunden. Sie waren gezwungen, Kuhglocken und hässliche Masken zu tragen. Nach dieser These sind die Issohadores die siegenden Sarden.

 

Das Fest des Erlösers - Nuoro

Nuoro: Das Fest des Erlösers Am 29 August feiert man den Erlöser in Nuoro. Dieses Fest ist eine der eindrucksvollsten Veranstaltungen Sardiniens. Die erste Veranstaltung fand am 29 August 1901 statt, als eine große Bronzestatue des Erlösers auf dem Gipfel des Berges Ortobene errichtet wurde. Die Statue wurde von Francesco und Vincenzo Ierace gebaut. Sie ist 2 Tonnen schwer und 12 m hoch. Seit damals ist sie Ziel einer eindrucksvollen Wallfahrt geworden. Neben der Wallfahrt gibt es auch den Vorbeimarsch der sardischen Kostümen, der das Fest reicher und fröhlicher macht.
Die Prozession beginnt bei der Morgendämmerung in der Stadt und geht durch die Wälder weiter, die den Aufstieg zum Berg grenzen.

 

Das Fest des Heiligen Efisio - Cagliari

Cagliari: Das Fest des Heiligen Efisio Am 1. Mai ist der Tag des Heiligen Efisio. 1652 gab es die Pest in Cagliari, die etwa 10.000 Menschen tötete. Die Bevölkerung rief Efisio an, um die Pest unterbrechen zu lassen und tat das Gelübde eines festlichen Rituals. Die Pest endete und Cagliari hielt das Gelübde ein. Im Mai 1657 trugen die Einwohner von Cagliari das Götterbild des Heiligen Efisio von der Stadt zur kleinen Kirche in Nora, dem Ort, wo das Martyrium des Heiligen 305 n. C. passierte.

Seit damals wiederholt man die Prozession mit der Büste des Heiligen jedes Jahr am 1. Mai von Cagliari nach Nora. Die Prozession beginnt in der Kirche von Stampace. Die Kutsche fährt mit dem Joch der Ochsen ab und windet sich durch die Sträßchen des Stadtviertels bis Roma Str.. Dann geht man zur Allee La Playa. Die Prozession geht bis nach Nora weiter.

 

Das Fest der Kerzenleuchter - Sassari

Sassari: Das Fest der Kerzenleuchter Man feiert am 14 August seit mehr als 600 Jahren der Heiligen Jungfrau zu Ehren.
Seit dem XVI Jh. hat das Fest einen Weihcharakter. Es wird nämlich gefeiert, um der Heiligen Jungfrau zu danken, weil sie die Stadt von den Pestilenzen befreit hat, wie jene im Jahr 1652. Damals starben fast alle Bewohner von Sassari. Alle drei Pestilenzen, die in Sassari geschahen (1504, 1514, 1652) endeten am 14 August. Aus diesem Grund ist das Fest heute ein Dank für die Heilige Jungfrau.

Für die faradda, wie „der Einfall der Kerzenleuchter“ auf sardischen Dialekt bestimmt wird, kleidet sich die Stadt festlich. Auf den Straßen der Altstadt werden die Kerzenleuchter mit bunten Bändchen und Heiligenbildchen geschmückt.

Die Kerzenleuchter sind große Holzsäulen und symbolisieren Waschkerzen. Sie sind Doppelzentner schwer und werden auf den Armen von den „Trägern“ getragen und im Trommeltakt tanzen gelassen. Einer der wichtigsten Momente des Festes ist die Begegnung zwischen den Vertretern der 9 Gremi (sie sind die Festveranstalter) und der Gemeindeverwaltung, d.h dem Bürgermeister und den Vertretern der Gemeindeadministration. Aber die Faradda ist vor allem das Fest der Einwohner von Sassari. Viele Auswanderer kommen für den Einfall der Kerzenleuchter nach Sassari zurück. Das Tourismusamt preist jedes Jahr die Auswanderer, die zum Mariä-Himmelfahrts-Fest nach Sassari zurückkommen. Die „Nostalgiepreise“ (ein Gold- und Silberkerzenleuchter) werden beziehungsweise dem Bewohner von Sassari, der seit längerer Zeit im Ausland lebt, und dem Bewohner, der seit längerer Zeit in Sassari lebt, zuerkannt.

 

Der sardische Ritt - Sassari

Sassari: Der sardische Ritt

Der sardische Ritt findet gewöhnlich am vorletzten Sonntag im Mai in Sassari statt.
Am Morgen geht man durch die Straßen der Altstadt; am Nachmittag feiert man in der Pferderennbahn.
Im Unterschied zu den anderen sardischen Festen ist dieses eine folkloristische Laienveranstaltung. Die Menschen sind mit den traditionellen sardischen Kostümen gekleidet und tanzen und singen traditionelle Lieder.
Das Fest hat keine verbreitete Tradition. Es wird nämlich nur seit 1951 jedes Jahr gefeiert.

 

Tenorlieder

Sardegna: Tenorlieder Das Tenorlied ist ein Gesangsstil, der eine wichtige Rolle unter den sardischen Traditionen hat, weil er Künstlerausdruck insularer Herkunft und gesellschaftlicher Ausdruck der idyllischen Land- und Hirtenwelt Sardiniens ist. Die Informationen über die Datierung der Ursprünge dieser Singkunst sind unbestimmt. Also ist keine präzise chronologische Aufstellung möglich. Nach einigen Zeugnissen, die auf die Vorchristliche Zeit zurückgehen, wurde ein mysteriöses Lied mit vier Stimmen von den Gefangenen von Rom gesungen, die aus den Innenzonen der Insel kamen. Aber einige behaupten, dass das Tenorlied auf die Zeit der Nuraghen zurückgeht.

Tenor stammt vom Lateinisch „ad tenorem“, d. h. ständig und in hehrem Stimmeton. Die vier Stimmen, die ein Tenorlied bilden, sind die folgenden: Su Bassu (der Baß), Sa Contra (Bariton), Sa Mesu Boche (mesa 'oche) (Knabenalt) und Sa Boche (sa 'oche) (Solist), der das Gedicht singen und den Rhythmus und die Tonalität schlagen muss, die der Chor harmonisch folgen muss.
2005 wurde das Tenorlied vom UNESCO unter den Masterpieces of the Oral and Intangible Heritage of Humanity eingefügt und als "Patrimonio intangibile dell'Umanità" (unberührbarer Schatz der Menschheit) anerkannt.